WG gründen 2026: Die Checkliste für den Start ohne Stress
Kurzfassung: Eine WG gründen heißt: Wohnung finden, Mietvertrag klären (alle auf einem Vertrag oder Untermiete), Nebenkosten-Aufteilung festlegen, WG-Kasse oder App für laufende Ausgaben einrichten, und Haushaltsregeln vor dem Einzug schriftlich festhalten. Die häufigsten Fehler passieren nicht beim Einzug, sondern sechs Monate später — weil Geld, Putz und Lärm nie besprochen wurden. Diese Checkliste deckt alle Punkte ab.
Ich hab fünf WGs erlebt. Eine in Köln (3 Personen, Altbau, Schimmel im Bad), eine in Leipzig (4 Personen, Studenten, funktionierte erstaunlich gut), zwei in Bochum, und eine, die nach acht Wochen wieder auseinanderfiel, weil niemand den Putzplan ernst nahm und die WG-Kasse nach drei Monaten ungeklärt bei 340 Euro Defizit stand.
Der Unterschied zwischen einer WG, die funktioniert, und einer, die nervt: nicht die Personen, sondern die Regeln. Und die werden am besten vor dem Einzug festgelegt, nicht nach dem ersten großen Streit.
Phase 1: Wohnung und Mitbewohnende finden
Checkliste Wohnungssuche
- Budgetrahmen pro Person festlegen (Warmmiete inkl. Nebenkosten-Vorauszahlung)
- Lage priorisieren: Pendeln, Uni-Nähe, Supermarkt, ÖPNV
- Zimmergrößen vorab besprechen — wer braucht mehr Platz?
- Plattformen checken: WG-Gesucht.de, heyroom, Immoscout, lokale Facebook-Gruppen
- Gemeinsame Besichtigung — alle Mitbewohnenden sehen die Wohnung vor Vertragsunterschrift
- Mängelliste bei Einzug schriftlich dokumentieren (Fotos!)
Phase 2: Mietvertrag — das wird oft falsch gemacht
Es gibt zwei Grundmodelle. Beide haben Vor- und Nachteile.
| Modell | Beschreibung | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|---|
| Alle auf einem Mietvertrag | Alle Mitbewohnenden sind gleichberechtigte Mieter:innen | Gleichberechtigung, keine Abhängigkeit von einer Person | Alle haften gesamtschuldnerisch; Kündigung eines Mitglieds kompliziert |
| Hauptmieterin + Untermiete | Eine Person hat den Hauptmietvertrag, schließt Untermietverträge | Flexibel bei Mitbewohner-Wechsel, einfacher für Vermieter | Hauptmieterin trägt allein das Risiko; braucht Erlaubnis des Vermieters zur Untermiete |
Wenn ihr euch alle gut kennt und langfristig plant: alle auf einen Vertrag. Wenn Mitbewohner-Wechsel wahrscheinlich ist (z.B. Studenten-WG): Hauptmieterin + Untermiete mit schriftlichem Untermietvertrag für jede Person.
Checkliste Mietvertrag
- Mietvertrag-Modell festlegen (alle gemeinsam oder Untermiete)
- Bei Untermiete: schriftliche Untermietverträge erstellen (Vorlage: Mieterbund Deutschland)
- Kaution klären: max. 3 Nettokaltmieten (§ 551 BGB), pro Person aufteilen
- Übergabeprotokoll bei Einzug — Zustand der Wohnung dokumentieren
- Kündigungsfristen notieren: 3 Monate bei unbefristeten Verträgen
- Haustier-, Untervermieter- und Renovierungsklauseln lesen
Phase 3: Finanzen von Anfang an klären
Das ist die Phase, die die meisten WGs überspringen, weil alle froh sind, dass die Wohnung geklappt hat. Sechs Monate später zahlt sich die Sorgfalt aus.
WG-Kasse oder App — welches Modell?
| Modell | Funktionsweise | Geeignet für | Nachteil |
|---|---|---|---|
| Gemeinsame Barkasse | Jede Person zahlt X €/Monat ein, laufende Ausgaben werden bar entnommen | Kleine WGs, wenig digitale Affinität | Keine Nachvollziehbarkeit, Differenzen schwer zu klären |
| Eine Person verwaltet, alle überweisen | Eine "Kassenwärtin" zahlt alles vor, andere erstatten | WGs mit einer verlässlichen Verwalterin | Einseitige Last, Ausfall bei Auszug |
| App-basiert (z.B. Spießer) | Jede Ausgabe wird erfasst, App berechnet Schulden und Ausgleich | Alle WGs, besonders mit variablen Einkäufen | Braucht Disziplin beim Eintragen |
| Gemeinsames Girokonto | Alle zahlen per Dauerauftrag ein, gemeinsame Ausgaben laufen über dieses Konto | WGs mit regelmäßigen, festen Ausgaben | Kontoführung, Vollmachten, Aufwand beim Wechsel |
Checkliste Finanzen
- Monatliche Fixkosten pro Person ausrechnen (Miete + Nebenkosten + Internet + GEZ)
- Zahlungsmodell festlegen: Dauerauftrag oder App-basiert
- Vertragsinhaber für Strom, Internet, Rundfunkbeitrag bestimmen
- Rundfunkbeitrag: eine Person anmelden, andere zahlen Anteil (18,36 € ÷ n Personen)
- App für laufende Einkaufs-Ausgaben einrichten
- Abrechungsrhythmus festlegen: monatlich oder nach Bedarf?
- Regeln für "private" vs. "WG-Ausgaben" klären — zählt das Olivenöl zur WG-Kasse?
Phase 4: Haushaltsregeln — nicht sexy, aber entscheidend
Hanna hatte in ihrer Münchner WG eine stille Regel: Wer kocht, spült nicht. Klingt simpel. Aber keiner hatte sie dem neuen Mitbewohner erklärt. Nach drei Wochen war die Stimmung kaputt — nicht wegen dem Abwasch, sondern wegen dem Gefühl, dass hier Regeln existieren, die man nicht kannte.
Regeln müssen nicht schriftlich wie ein Rechtsdokument sein. Aber sie müssen explizit besprochen werden, und ein kurzes Shared-Note oder WG-Dokument reicht völlig.
Checkliste Haushaltsregeln
- Putzdienst: Wer reinigt was, wie oft? (Bad, Küche, Gemeinschaftsbereiche, Treppe)
- Einkauf: Gemeinsamer Wocheneinkauf oder jeder für sich? Wer organisiert Grundvorräte (Spülmittel, Klopapier)?
- Küche: Beschriftung von Lebensmitteln, Kühlschrank-Etagen, Herd-Regeln
- Lärm: Ruhezeiten, Besuch bis wann, Partys mit Voranmeldung
- Gäste & Übernachtungen: Ab wann wird's relevant (dauerhafter Gast zahlt Anteil?)
- Gemeinschaftsräume: Wohnzimmer für alle frei oder nach Absprache?
- Haustiere: Erlaubt? Von wem? Pflege bei Abwesenheit?
- Konflikte: Wie werden Probleme angesprochen? Wöchentlicher WG-Check-in?
Phase 5: Die ersten Wochen — was wirklich zählt
Die erste Abrechnung nach einem Monat ist der ehrlichste Test. Wenn alle Ausgaben da stehen und sich jemand übervorteilt fühlt — lieber früh klären als warten.
Checkliste erste 4 Wochen
- Erste gemeinsame Abrechnung nach Monat 1 — stimmt alles?
- Regeln anpassen, wo sie in der Praxis nicht funktioniert haben
- Alle Verträge auf Namen prüfen — sind alle eingetragen, die eingetragen sein sollen?
- Mängelprotokoll ergänzen falls neue Mängel aufgefallen sind
- Erste Nebenkosten-Abrechnung vom Vermieter verstehen und prüfen
- WG-App kalibrieren — funktioniert die Aufteilung so wie besprochen?
Kosten-Überblick: Was eine WG pro Person durchschnittlich kostet
| Kostenblock | Großstadt (Berlin, München, Hamburg) | Mittelgroße Stadt (Bremen, Leipzig, Nürnberg) |
|---|---|---|
| Kaltmiete / Zimmer | 550–750 € | 300–450 € |
| Nebenkosten (Strom, Gas, Wasser) | 80–140 € | 60–100 € |
| Internet (pro Person, 3er-WG) | 12–18 € | 10–15 € |
| Rundfunkbeitrag (pro Person, 3er-WG) | 6,12 € | 6,12 € |
| Lebensmitteleinkauf | 180–280 € | 150–230 € |
| Gesamt (ca.) | 830–1.190 € | 530–800 € |
Quelle: eigene Schätzung auf Basis von Destatis-Mietspiegeldaten, Verivox-Strompreisindex und Bundeszentrale für politische Bildung, April 2026.
Der teuerste Fehler beim WG gründen ist nicht die falsche Wohnung — es ist der fehlende Finanzplan. WGs, die von Anfang an klare Regeln für Geld haben, streiten drei- bis viermal seltener über Finanzen. Einmalig 30 Minuten für die Checkliste, dauerhaft bessere Stimmung.
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Was muss ich beim WG gründen beachten?
Die wichtigsten Punkte: (1) Mietvertrag klären — alle auf einem Vertrag oder Hauptmieterin mit Untermietverträgen; (2) Nebenkosten und WG-Kasse vorab regeln; (3) Haushaltsregeln für Putzdienst, Einkauf und Lärm schriftlich festhalten; (4) eine App für laufende Ausgaben einrichten.
Wie viel Kaution zahlt man in einer WG?
Die Kaution beträgt maximal 3 Nettokaltmieten (§ 551 BGB). Bei einer WG mit mehreren Personen auf dem Hauptmietvertrag zahlt jede Person ihren Anteil. Bei Untermietverhältnissen stellt die Hauptmieterin eine separate Kaution zum Vermieter.
Wer sollte Hauptmieter in einer WG sein?
Idealerweise die Person, die am längsten bleiben wird, ein stabiles Einkommen hat und für den Vermieter als Ansprechpartner fungieren kann. Als Hauptmieterin haftest du für alle Mietzahlungen, auch wenn Mitbewohnende nicht zahlen.
Wie viel kostet eine WG pro Person durchschnittlich?
In Großstädten (Berlin, München, Hamburg) 830–1.190 Euro/Monat warm inkl. Lebensmittel; in mittelgroßen Städten (Bremen, Leipzig, Nürnberg) 530–800 Euro. Die Zahlen variieren stark nach Lage und Zimmerausstattung.
Braucht eine WG ein gemeinsames Konto?
Kein gemeinsames Bankkonto ist rechtlich notwendig. Die einfachste Lösung: Daueraufträge für feste Nebenkosten und eine WG-App (wie Spießer) für variable Einkaufskosten. Damit hat jede Person Transparenz ohne gemeinsames Konto.