Warum ich Spießer baue
Ich hatte nie geplant, eine App zu bauen. Ich wollte nur wissen, wer den verdammten Haferkakao bezahlen muss.
Vier WGs, immer der gleiche Mist
Ich hab in einigen WGs gewohnt. In Köln mit Viola und Moritz. Auf der Eisenbahnstraße in Leipzig mit Arleta, Udo und unserem polnischen Dackel-Mischling Franek — bis heute die coolste WG, in der ich je gelebt habe. Später Bologna, dann Lissabon.
Vier Städte, vier Sprachen, komplett verschiedene Leute. Aber eines war überall gleich: Am Ende lag ein zerknüllter Kassenbon auf dem Küchentisch und keiner wusste mehr, wer was schuldet.
In Leipzig war's besonders chaotisch. Arleta hat polnisch eingekauft, ich deutsch, und Udo hatte eine sehr eigene Vorstellung davon, was "gemeinsam" heißt. 47 Positionen auf dem Rewe-Bon, Hafermilch für alle außer Udo, Bio-Müsli wollte nur ich, und Franeks Leckerlis gingen selbstverständlich nicht auf die WG-Kasse — auch wenn er das anders gesehen hätte.
Wir haben Excel probiert. Splitwise. Zettel an der Kühlschranktür. Irgendwann saßen wir jeden Sonntag eine halbe Stunde da und haben Beträge von einem Kassenbon abgetippt, den man kaum lesen konnte. Pro Artikel. Manuell.
Irgendwann hab ich gedacht: warum kann ich den Zettel nicht einfach abfotografieren und die App macht den Rest?
Das Problem mit Splitwise
Splitwise ist eine solide App — für Urlaubsgruppen, wo einer das Hotel zahlt und der andere das Abendessen. Gesamtbetrag rein, aufteilen, fertig. In Bologna und Lissabon haben wir das auch so gemacht.
Aber im WG-Alltag funktioniert das nicht so. Da kauft einer für 89 Euro ein: 12 Artikel sind für alle, 8 sind privat, und die Hafermilch ist für alle außer dem, der Kaffee schwarz trinkt. Splitwise kennt nur "einer zahlt, alle teilen gleich viel". Die Ebene darunter — wer welchen Artikel haben wollte — fehlt komplett.
Und keiner hat Bock, 47 Positionen abzutippen.
Also hab ich angefangen zu bauen
Ich bin kein Startup-Gründer. Kein VC, kein Mitgründer, kein Büro in Berlin. Ich komm aus dem Ruhrgebiet, trink Filterkaffee und bau Spießer neben der Arbeit.
Die Idee ist simpel: Kassenbon abfotografieren, KI liest die Artikel per OCR aus, jeder tippt an was er haben wollte, die App rechnet aus wer wem wie viel schuldet. Möglichst wenige Überweisungen. Kein Abo mit 14 Preisstufen, kein Gamification-Kram. Foto, aufteilen, fertig.
Warum mich das Thema nicht loslässt
In jeder WG, in der ich gelebt hab, war Geld der eigentliche Stressfaktor. Nicht die dreckige Küche, nicht die Musik um 2 Uhr. Sondern das leise Gefühl, dass irgendjemand immer draufzahlt und sich keiner traut, was zu sagen. In Leipzig haben wir das irgendwann auf einem Whiteboard gelöst, bis Franek das Ding runtergerissen hat.
Wenn die Abrechnung stimmt, fällt das weg. Kein Zettel am Kühlschrank, keine halbgaren Gespräche beim Frühstück. Nur eine App, die einfach rechnet.
Der Name "Spießer"? Ja, ironisch. Wer wissen will, wer den Haferkakao bezahlt, ist halt ein bisschen spießig. Aber manchmal braucht's das. Im Ruhrgebiet sagt man: Lieber spießig und fair als cool und pleite.
Wo Spießer gerade steht
Über 130 Leute testen die App. Die OCR-Erkennung klappt bei den meisten deutschen Supermärkten — Rewe, Edeka, Lidl, Aldi, dm, Rossmann. PayPal ist drin. iOS und Android. Alle Daten liegen auf deutschen Servern in Frankfurt, DSGVO-konform.
Was noch fehlt: IBAN-Integration, automatische Monatsabrechnung, Aufteilung nach Zimmergröße. Was davon als nächstes drankommt, entscheiden die Beta-Tester.
Und jetzt?
Wenn du das Kassenbon-Chaos kennst: probier's aus. Die Beta ist kostenlos, und wer jetzt mitmacht bekommt dauerhaften Gratis-Zugang — auch wenn später was dafür fällig wird.
Feedback nehm ich immer gerne an. Ich les jede Nachricht selbst — ein Support-Team hab ich nämlich nicht.